Gerüchte und Meinungen halten sich zum Teil sehr hartnäckig, obgleich die gelebte Realität eine völlig andere ist. So wird Deutschland noch immer als Sozialstaat betitelt. Sicherlich hat es in diesem Land Zeiten gegeben in denen diese Bezeichnung gerechtfertigt war – das ist allerdings Jahrzehnte her.


Einwanderer oder Flüchtling, die nicht viel mehr als ihr nacktes Leben in die Republik gerettet haben mögen Deutschland sicherlich als Sozialstaat empfinden – zumindest in der ersten Zeit.
Wer allerdings wie ich als Deutscher Anfang der 1960er Jahre hier aufgewachsen ist, der muss miterleben wie in Deutschland das Soziale sukzessive demontiert wird – und das Plan.
Ein soziales Miteinander ist auch immer eng mit den finanziellen Möglichkeiten verbunden. Ärztliche Versorgung, Bildung, Rentenzahlungen aber vor allem das Einkommen bilden die wesentliche Grundlage für den sozialen Level. Mit schwindendem Einkommen fällt auch alles andere geringer aus. Für die breite Masse der Bevölkerung ist es daher sehr entscheidend ob ihre Arbeitsleistung angemessen entlohnt wird. Doch genau an diesem entscheidenden Rädchen funktioniert das soziale Getriebe nicht mehr. Hier haben Volksvertreter, die unsere Gesetze verabschieden das Regelwerk von sozial auf asozial umgeschaltet.
Arbeitnehmer die eigeninitiativ Fachkompetenz und Erfahrung erworben haben – die mit ihrem Können und Wissen ein ehrliches Produkt herstellen oder eine Dienstleistung erbringen sind die Verlierer in Deutschland. Eine angemessene Bezahlung wird immer seltener – im harten Wettbewerb bleiben keine Manager sonder die einfachen Arbeitnehmer auf der Strecke.

Das versklaven von Arbeitskräften hat seit Jahrzehnten Hochkonjunktur und wird nicht nur gesetzlich ermöglicht und geschützt, sondern staatliche Behörden sorgen für Nachschub an Arbeitskräften. Agentur für Arbeit heißt diese Bundesbehörde, die nicht dem ehemals beitragszahlendem Arbeitssuchenden zu Diensten ist. In erster Linie wird dem Arbeitslosen der Zugang zu seinem rechtlich verbrieften Arbeitslosengeld so schwer wie möglich gemacht – der Weg wird mit Schikanen, endlosen Formularen und zahlreichen Auflagen gepflastert. Die eigentliche Arbeitssuche hat der Betroffene mit bereitgestellten Onlineportalen, unter Beachtung genauer Auflagen und permanenten Androhung von Leistungsverlust eigenverantwortlich vorzunehmen. Der Zugang zu den gelisteten Stellen führt hauptsächlich über Firmen die diese Stellen verwalten – so genannte Personaldienstleister, die zu hunderten den deutschen Arbeitsmarkt und die Vergabe von Arbeitsplätzen beherrschen. Mit dieser kommerzielle Vermarktung von Arbeitskräften lässt sich ein Vermögen verdienen – ein Vermögen das die verliehenen "Sklaven" mit ihrem Wissen und Können erarbeiten müssen – selber jedoch lediglich einen Hungerlohn dafür erhalten.

Eine weitere asoziale Errungenschaft in Deutschland wird als Minijob bezeichnet. Von der sozialen Randgruppe der Politiker erfunden, gesetzlich verankert und gefördert um Arbeitskraft auch unterhalb des "Sklavenhandels" ausbeuten zu können und die Sozialkassen zusätzlich zu schwächen. Hierbei geht es darum Vollbeschäftigung und Fachkräfte unattraktiv zu machen – Unternehmen möglichst billige Hilfskräfte an die Hand zu geben die stupide, mechanische Arbeit verrichten. Das Beispiel aus dem Supermarkt kenne wir alle: Die frühere Belegschaft eines Supermarktes setzte sich aus Filialleiter, Verkäuferinnen, Kassiererinnen und evtl. Fleischfachverkäufern und Auszubildenden in entsprechender Anzahl zusammen - also gelernte Fachkräfte mit entsprechendem Lohn, die vielfältige Aufgaben zu erledigen hatten. Heute besteht die Belegschaft aus einem Filialleiter der jedoch nicht nur eine Filiale leitet, einer angelernten Kassiererin, einer angelernten Verkäuferin und evtl. einem Fleischfachverkäufer – alle anderen die da rumspringen und von nichts eine Ahnung haben sind 450 €- Kräfte.Lohnsteuer müssen hierfür nur Arbeitnehmer mit Steuerklasse V und VI entrichten – Sozialabgaben in entsprechend geringer Höhe fallen jedoch für alle an. 450 € bedeuten bei einem derzeitigen Mindestlohn von 8,50 € eine monatliche Gesamtarbeitszeit von 53 Stunden – natürlich nur theoretisch. Die unhaltbaren Zeitvorgaben der Arbeitgeber werden permanent vom Arbeitnehmer überschritten. Zudem kommen ständig nicht einkalkulierte Arbeiten und nicht angerechnete Probearbeitstage hinzu – es wird also mehr Arbeit geleistet als vergütet wird !! Eine schöne Doku vom ZDF gibt’s unter https://www.youtube.com/watch?v=aE-Gr-3vnOY

Natürlich müssen diese Geringverdiener wie auch die HartzIV-Empfänger am Ende von den Vollzeit-Arbeitskräften finanziell getragen werden.

Die Minijobs sind ein Teil des 2003 aus der Taufe gehobenen HartzIV- Programms.Wer für sein Leben keine großen Pläne hegt, mit einem minimalistischen Lebensstil zurecht kommt, gerne liegen bleibt wenn andere sich für ein paar Euro prostituieren gehen - für den dürfte Hartz IV das Richtige sein. Eine vollständige Verweigerungshaltung wird in Deutschland gesetzlich unterstützt. Man sollte sich jedoch rechtzeitig entscheiden. Wer z.B. bereits 30 Jahre gearbeitet hat – also auch ordentlich Steuern und Sozialabgaben entrichtet hat - sich Eigentum erspart hat – dann unverschuldet arbeitslos wird – auf Grund seines Alters auf dem regulären Arbeitsmarkt keine feste Anstellung mehr findet und in der Folge auf Harz IV-Leistungen angewiesen ist – der hat die Arschkarte gezogen. Bevor er Hartz IV-Empfänger wird muss er erst von seinem Vermögen leben – er muss seinen Besitz, bis auf das Lebensnotwendige veräußern. Spätestens an diesem Punkt lernt man den Sozialstaat Deutschland richtig kennen – wenn man mit Mitte 50 vor dem Nichts steht !!

Wer keine Lust und/ oder kein Talent besitzt ein Produkt zu schaffen oder Mitmenschen eine Dienstleistung anzubieten, der kann in Deutschland und über seine Grenzen hinaus heiße Luft verkaufen. Es ist nicht mal Abitur oder eine Ausbildung dazu erforderlich – evtl. nötige Zertifikate lassen sich rasch erstellen oder zusammenkopieren. Man muss allerdings einem Verein beitreten. Hier gilt, besonders zu Anfang möglichst wenig eigene Ideen mitzubringen, sondern vielmehr sein Fähnchen möglichst lange nach dem Wind der etablierten Vereinsmitglieder auszurichten. Als erfolgreich gilt derjenige der in einer solchen Seilschaft in der Hierarchie nach oben steigt und dabei möglichst authentisch suggeriert er oder sie würde die Interessen der Bevölkerung vertreten. Hat man es dann evtl. in die Führungsposition eines Staatsamtes geschafft, kann nun auch beginnen eigene Ideen zu verwirklichen. Mit Beharrlichkeit und Einflussnahme auf die Informationsmedien kann man seine Vorstellung auch dem Wähler als die Richtigen eintrichtern.

Wer allerdings im Sozialstaat Deutschland richtig was abräumen möchte und bereit ist dafür echte Nachweise seiner ausgeprägten suggestiven Fähigkeiten zu erbringen, geht in die Wirtschaft. In einer Welt aus Theorie und Zahlen peilen Manager fiktive Ziele an, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat und z.T. auch niemals sehen wird. Auch hier gilt es möglichst lange den Schein zu wahren – mit den richtigen Kontakten zur richtigen Seilschaft aber kein Problem. Da diese Menschen viel Verantwortung tragen und über unglaubliche finanzielle Mittel verfügen, steht ihnen natürlich auch eine entsprechende Vergütung zu. Kommt ein Manager, trotz bester Delegierung aller Aufgaben irgendwann doch nicht umhin unbequeme Fragen zu beantworten kann er immer noch zurücktreten und einen anderen Konzern vor die Wand fahren – persönlich ausbaden, also verantworten werden es die entlassenen Mitarbeiter ohne Netz und doppeltem Boden. So sieht es das Regelwerk im Sozialstaat Deutschland vor.

Natürlich gibt es zwischen den betrachteten Möglichkeiten noch jede Menge weitere Nischen für asoziales Geschmeiß an einem produktiven Leben vorbeizukommen und es sich mit der Leistung anderer gutgehen zu lassen, aber dieser Beitrag ist schon lang genug.

 

Das Jahr 2017 ist Wahljahr in NRW:

  • am 14. Mai sind Landtagswahlen

  • am 24. September sind Bundestagswahlen

Macht eure Kreuze - aber überlegt gut wohin – werft euer Stimmrecht nicht weg !!