Das neueste städtebauliche Glanzstück in unserem Dorf ist der geplante Teilumbau der Breddenkampstraße im Ortsteil Drewer. Im Jahr 2002 hat der Rat der Stadt Marl den Umbau der Breddenkampstraße beschlossen und die Verwaltung mit der Planung beauftragt. Bereits 13 Jahre später ist es soweit – die Verwaltung hat ihr Ei gelegt.

Die Planung sieht vor, die Ampelkreuzung mit der "Langehegge" durch einen Kreisverkehr zu ersetzten. In Zeiten, in denen man verkehrstechnisch wieder zu Kreisverkehren zurückrudert, macht eine ampelfreie Verkehrsregelung an dieser Stelle bestimmt Sinn.
Was im weiteren Verlauf der Breddenkamstraße von den Planern vorgesehen ist, macht weder Sinn noch bringt es eine Verbesserung – im Gegenteil.

Zur Zeit befindet sich der Radweg auf Bordsteinniveau – also zusammen mit dem Fußweg relativ sicher vom Autoverkehr getrennt. In Zukunft sollen die Radler runter auf die Straße, auf einem 1,50 m breiten, auf die Fahrbahn gemalten Streifen. Dieser als "Schutzstreifen" bezeichnete Gefahrenbereich ist von Radlern und Autofahrern gleichermaßen zu benutzen. Radler sollen sich hier einer erhöhten Gefahr aussetzen und den Autoverkehr behindern. Ingo Nölker, seines Zeichens Verkehrsplaner der Stadtverwaltung Marl bekräftigt, dass genau diese Vermischung zu weniger Unfällen mit Radfahrern führen soll und eine Verkehrsberuhigung zur Folge habe. In der Stadt Haltern habe sich die Art der Verkehrsführung bereits bewährt, behauptet Nölker weiter. Aufgrund des mäßigen Verkehrsaufkommens von täglich 7000 bis 8000 Fahrzeugen sei eine derartige Planung überhaupt nur möglich (aber nicht nötig).

Im weiteren Straßenverlauf soll ein zweiter Kreisverkehr eine T-Kreuzung ersetzen. Hier mündet z.Z. eine weniger befahrene Siedlungsstraße mit Tempo 30 in die vergleichsweise verkehrsträchtige Breddenkampstraße. Eine Schikane mit erhöhtem Gefahrenpotenzial für Radfahrer – zumal eine Fahrtrichtungsanzeige, in der Praxis von vielen Verkehrsteilnehmern nicht erfolgt.

In direkter Angrenzung dieser Einmündung gewährt eine Fußgängerampel den zahlreichen Kindergartenkindern z.Z. noch eine sichere Überquerung der Straße. Sobald die Aloysius-Grundschule fertig saniert ist, wird eine entsprechend höhere Zahl an Kindern die Breddenkampstraße überqueren müssen. Leider wird es diese und eine weitere Fußgängerampel nach den Plänen von Nölker nicht mehr geben.

Die zweite einzusparende Lichtanlage befindet sich am Ende der Breddenkampstraße und sorgt für die sichere Straßenüberquerung vor einem Supermarkt und einer Arztpraxis. Rund um den Supermarkt sind viele ältere Menschen zu Hause. Nicht nur sie nutzen die Ampel zur Überquerung. Selbst bei dem bereits auf Grund von Straßenschäden verhängten Tempo 30 wäre eine Überquerung ohne geregelte Verkehrsunterbrechung für viele Menschen undenkbar. Aber genau das sieht die Umbauplanung vor.

Die Breddenkampstraße ist eine seit vielen Jahren sanierungsbedürftige Lochpiste. Aus Angst vor Regress hat die Stadt zu größten Teil Tempo 30 verhängt. Das einzige Teilstück mit, für Marler Verhältnisse guter Asphaltdecke befindet sich zwischen den geplanten Kreisverkehren und soll dem geplanten Umbau zum Opfer fallen.

Die kompetenzneutrale Planung von Ingo Nölker erscheint nicht nur mir unverständlich, sondern auch dem Großteil der Ratsmitglieder und lässt sich mit gesundem Menschen verstand nicht nachvollziehen. Unklar scheint auch der Antrieb dieser bedarfsfernen Verkehrsplanung. Ist es die winkende Förderung, die diesem Planentwurf 65% Landesmittel der geschätzten Kosten von 2,7 Millionen einbringt? Wenn ja, was ist Ziel der Förderung? Allgemein geistiger Schwachsinn? Kreisverkehre im dutzend billiger? Größtmögliche Verkehrsgefährdung und Behinderung?

Was jedenfalls herauskommt ist ein sinnvoller Kreisverkehr mit einem Rattenschwanz von hirnrissigem und gefährlichem Unfug.

Die derzeit einzig verbliebene aktive Dezernentin der Stadt Marl, Frau Dr. Duka, hat jedenfalls die Notbremse gezogen. Sie vertritt den seit Monaten erkranken Baudezernenten und muss die Misere nun federführend ausbaden. Noch im Dezember sollen Experten zu den zahlreichen Frage gehört werden. Die ursprünglich geplante Bürgerversammlung am 15. Januar wird, mit den Vorzeichen wohl nicht stattfinden.