Seit Jahren frage ich mich, warum unser Dorf den Titel "fahrradfreundliche Stadt" tragen darf. Vor 21 Jahren wurde Marl dieser Titel verliehen – und es war seinerzeit sicherlich gerechtfertigt.

Das Fahrrad erfreute sich damals zunehmender Beliebtheit. Nicht nur als reines Fortbewegungsmittel, sondern auch als Sport und Freizeitgerät wurde es von den Herstellern in zahllosen Varianten mit immer raffinierter werdender Technik ausgestattet. Die Leute setzten sich wieder vermehrt auf's Rad. Das Wegenetz und die damit verbundenen Freizeitangebote wurden modernisiert und ausgebaut. In Marl baute man Haltegriffe an Ampeln, damit die Füße auf den Pedalen bleiben können.
All das ist lange her und inzwischen zieren Schilder die Radwege die vor ihrer Benutzung warnen, da natürlich auch hier der Gammel Einzug gehalten hat.

Nun hat die Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundliche Städte und Gemeinden in NRW (AGFS) bestätigt, dass dieser Titel nicht für Tatenlosigkeit und betreute Verwahrlosung verliehen wird und diesen der Stadt Marl aberkannt. Dass Radfahrer auf so genannten Schutzstreifen für eine gefährliche Verkehrsbehinderung herhalten sollen, hat nicht gerade zur Titelverteidigung beigetragen. Von der Realität eingeholt zeigt sich unser Dorfoberhaupt enttäuscht – entfallen nun zukünftig die mit dem Titel verbundenen Fördermittel von Bund und Land. Seine Mitarbeiter hätten alles gegeben – führte Arndt gegenüber der Kommission an. Ich frage mich, was außer Planspielen und Gutachten das in diesem Fall gewesen sein soll.

Nicht zuletzt wurde vom ADFC (Mitglied der Kommission) auch bemängelt, dass die Bürger bei der Neugestaltung der Breddenkampstraße außen vor gelassen wurden. Schön, dass eine offizielle Instanz mal feststellt, welche belanglose Rolle Bürger bei der Planung ihres Lebensraumes spielen.