Ob es sich Arbeitsamt, Arbeitsagentur oder Bundesagentur für Arbeit nennt, ist für das Ergebnis ohne Belang. Denn auch wenn sich die Verpackung über die Jahre geändert hat, der Inhalt ist der Gleiche geblieben – so wie ich es von einer Mogelpackung auch erwarten kann. Nimmt man die Bezeichnung wörtlich ist aber eigentlich klar, eine Agentur für Arbeit ist eben keine Agentur für Arbeitssuchende.

Nicht um den Menschen, sondern um die Arbeit geht es hier.

Was sich jedoch geändert hat, ist der Umgang mit hilfesuchenden Arbeitnehmern. Wusste man beim früheren Arbeitsamt, dass einem hier sowieso nicht geholfen wird, hat sich mit veränderter Namensgebung der Tonfall verschärft und die Schikanen wurden ausgebaut. Steht man in Lohn und Brot, wird Monat für Monat der Beitrag zur Arbeitslosenversicherung ganz selbstverständlich vom Lohn abgezweigt. Alles ist gesetzlich geregelt. Es müssen keine Hürden genommen werden, keine Anträge beim Arbeitnehmer gestellt werden, keine zahllosen Termine wahrgenommen werden. Tritt jedoch der Versicherungsfall ein - es droht die Arbeitslosigkeit, so ist das Prozedere für die Inanspruchnahme jedoch weitaus unangenehmer als z.B. bei einer Haftpflichtversicherung. Auch für den Leistungsfall ist alles gesetzlich geregelt. Zwischen dem Anspruch auf Leistung und der tatsächlichen Umsetzung wartet die Bundesagentur allerdings mit zahlreichen Hürden auf. Der erste Fallstrick, den die gesetzgebende Politik hier fein säuberlich platziert hat, ist das rechtzeitige Melden einer zu erwartenden Arbeitslosigkeit. Unmittelbar nach Bekanntwerden derselben ist das bei der Agentur zu melden – ansonsten winkt das Gesetz mit einer Zahlungssperre. Woher der Arbeitnehmer das wissen soll, bleibt ihm überlassen. An dem ausgesprochen unfreundlichen, barschen und ablehnenden Umgangston, der einem von ersten Kontakt an entgegen weht, erkennt der Beitragzahler von gestern unmissverständlich, was er als Arbeitssuchender von morgen wert ist. Einschüchterung hat bei der Bundesagentur für Arbeit eine lange Tradition – welche Versicherung zahlt schon gerne. Weitere Hürden auf dem Weg zu seinem Recht nimmt man beim Ausfüllen zahlreicher Formulare in denen wiederholt die gleichen Fragen auftauchen – wobei vorab, auch auf ausdrückliche Nachfrage des Antragstellers ein evtl. schon Vorhandensein im Datenbestand der Agentur nicht überprüft wird. Weitere Pflichtübungen sind Termine, zu denen dann Anträge abgegeben werden dürfen oder Gespräche mit so genannten Vermittlern stattfinden.

Das Highlight zur „Unterstützung“ bei der Arbeitssuche ist der Zugang zur Jobbörse, den die Agentur einrichtet. Ein Pool, in dem zu besetzende Stellen, in allen Branchen und Bereichen gelistet werden. In der Jobbörse soll man sich dann auf die Suche nach einem neuen Arbeitgeber machen. Schnell stellt man fest, dass sich hinter einem Großteil der vermeintlich offen Stellen so genannte Personaldienstleister verbergen. Diese sind dem eigentlichen Arbeitgeber vorgeschaltet und stellen eine weitere Instanz zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber dar. Auch erhält man gleich zweifach (per Post und in seinem Account der Jobbörse) Vermittlungsvorschläge vom so genannten Arbeitsvermittler, auf die man auch auf beiden Wegen reagieren muss. Trotz umfangreich ausgefülltem Leistungsprofil haben die Anforderungen des Vorschlags aber nicht unbedingt etwas mit dem Profil des Arbeitssuchenden zu tun, obgleich passende offene Stellen in der Jobbörse zu finden sind.

Spätestens an diesem Punkt wird klar, dass es der Bundesagentur für Arbeit nicht darum geht, dem Arbeitssuchenden einen möglichst passende, seiner Ausbildung sowie seiner Erfahrung entsprechenden, dauerhaften Arbeitsplatz zu vermitteln. Die Bundesagentur für Arbeit hat primär zwei Ziele. Die Zahl der offiziell, das heißt die bei der Agentur gemeldeten Arbeitslosen, ist möglichst gering zu halten, damit die Statistik, mit denen Politiker glänzen wollen gut aussieht. Hierzu ist es gleichgültig, wohin die Arbeitslosen verschwinden – nur weg. Recht wirkungsvoll ist es hierbei die Arbeitslosen dem Menschenhandel der Personaldienstleister zu überstellen.

Das zweite Ziel ist, die Kosten - sprich die Ausgaben für den Arbeitslosen zu minimieren. Auch hierbei gilt - möglichst schnell weg mit dem ehemaligen Beitragszahler. Entweder gelingt es dem Arbeitssuchenden eine passende Stelle bei einem Arbeitgeber zu ergattern, der direkt Leute fest einstellt – andernfalls wird man gewinnbringend über einen Personaldienstleister als Wanderarbeiter vermarktet. Natürlich ist dann Schluss mit adäquater Vergütung und dem gewohnten Urlaubsanspruch – wovon soll denn der Personaldienstleister sonst seinen üppigen Gewinn erwirtschaften.

Letztlich muss natürlich jeder selbst entscheiden, ob er die Bundesagentur für Arbeit für einen unkoordinierten und überflüssigen Haufen von perfiden Sadisten hält oder meint, das Schikanieren von abhängig gemachten Menschen und das Handeln mit seiner Arbeitskraft, seinen Erfahrungen und Fähigkeiten gehört selbstverständlich zum Bild unseres heutigen Sozialstaates.